1901 - 1992

Um die Jahrhundertwende erlebte Braubachs Chorgesang, nachdem auch 1883 mit dem Quartettverein ein weiterer Männerchor gegründet worden war, neuen Auftrieb. Im Jahre 1909 fand sich in Maler- und Anstreichermeister Ludwig Kunz ein neuer Vereinsvorsitzender, dem der MGV Braubach 1843 einen großen Aufstieg verdankt. Zur gleichen Zeit übernahm der Eisenbahnstationsassistent Hermann Börschel, der nach Braubach versetzt worden war, das Amt des Dirigenten. Auch sein Name ragt aus der umfangreichen Chronik hervor. Er leitete den Chor bis fast zum 1. Weltkrieg und buchte mit Konzerten und Wettstreitbesuchen große Erfolge.

Der Name Börschel ist jedoch damit aus dem Musikleben noch lange nicht verschwunden, denn der Sohn des Dirigenten, Erich Börschel, stand später als bekannter Musiker einem großem Orchester des Hessischen Rundfunk vor.

Zu Beginn des 1. Weltkrieges berief der Männergesangverein den weit über die Grenzen der engeren Heimat hinaus bekannten Musikdirektor und Komponisten Willi Stollewerk aus Koblenz zu seinem Dirigenten. Gemeinsam mit Ludwig Kunz rettete er den Verein über die Wirrnisse des 1. Weltkrieges, bereits 1920 wurde in Braubach ein gelungenes Sängerfest, verbunden mit einem Wertungssingen, veranstaltet.

Nachfolger von Willi Stollewerk wurde Ende 1920 Jakob Pfeiffer. Damals rüttelten die wirtschaftlichen Verhältnisse an der Existenz der Veriene. In den Kassenbüchern ist ein Dirigentenhonorar vo 25 000 Mark für die Probe, ein monatliches Beitragsaufkommen der Mitglieder von 200 Millionen Mark verzeichnet. Die Inflation und spätere Gelgknappheit waren auch die Ursache dafür,daß der Chor 1924 auf den bewährten Jakob Pfeiffer , der bis zu seinem Tode für die Sängerschaft am Mittelrhein ein Begriff war, verzichten mußte. Ein Vereinsmitglied, August Paul, übernahm vertretungsweise das Dirigentenamt.

Aber noch im gleichen Jahr konnte in Musikdirektor Johannes Starke ein neuer Chorleiter gefunden werden. Johannes Starke führte den Chor zu hervorragenden Leistungen. Gute Konzerte wechselten mit Wettstreiterfolgen, es läßt sich aus den Zeitungsnachrichten dieser Zeit einwandfrei verfolgen, daß der MGV Braubach 1843 zu einem der bekanntesten Chöre unserer Heimat heranwuchs. Unter Johannes Starke trat der Chor 1930 als erster Verein des Sängergaues vor das Mikrophon des Reichssender Frankfurt. Gemeinsam mit dem befreundeten MGV Niederlahnstein führte der MGV 1843 im Kurhaus in Wiesbaden bedeutende Chorwerke zum ersten Mal auf. Johannes Starke verstarb 1944 während der Wirren des vorletzten Kreigsjahres. Auf dem Höhepunkt seines Schaffens verwaisten neun namhafte Männerchöre im Raume Koblenz.

Ebenfalls im Jahre 1924 übernahm Georg Paul das verantwortungsreiche Amt des 1. Vorsitzenden. Er konnte den seltenen Ruf in Anspruch nehmen, 32 Jahre an der Spitze des Vereins gestanden zu haben. Unterbrochen war seine Amtszeit nur durch die Nachkriegsjahre. Während dieser Zeit führte Peter Kunz den Verein mit Umsicht und Geschick. Die Erinnerung an Georg Paul wäre unvollständig, wollte man nicht seines langjährigen Mitarbeiters Fritz Schumacher gedenken. Während Fritz Schumacher als 2. Vorsitzender und Schriftführer tätig war, lag das Amt des Kassierers schon damals in den Händen von Heinrich Kapitain.

Bei Wiederaufnahme der Chortätigkeit nach dem Kriege wurde Josef Heuser, ein Schüler von Johannes Starke, zum Chorleiter gewählt.

Schon während der Kriegswirren hatten sich die Braubacher Chöre, der Quartettverein, der MGV Marksburg und der MGV1843 mit Rücksicht auf die vollständige Einberufung der jüngeren Jahrgänge zu einer Chorgemeinschft unter Lehrer Reh aus Oberlahnstein zusammengeschlossen. Diese Chorvereinigung bewährte sich auch nach dem Kriege, als die Bestimmungen der Besatzungsmacht lediglich die Tätigkeit eines einzigen Gesangverein erlaubten. 1948 ist die Gemeinschaft der Chöre leider wieder aufgelöst worden.

Zahlreiche Vereinsmitglieder sind während des 2. Weltkrieges und teils noch später in Kriegsgefangenenlagern aus den Reihen des Chores geschieden. Es war ihnen leider nicht vergönnt, mitzuerleben, daß junge Sänger die Gemeinschaft des MGV1843  mit neuem Leben erfüllt haben. Seine Kriegstoten ehrte  der MGV 1843 durch die Stiftung einer Ehrentafel, die der Braubacher Künstler Albert Dreßler geschaffen hat. Sie wurde ausschließlich durch Spenden der Mitglieder finanziert.

Der Bundespräsident Prof. Dr. Theodor Heuss übergab 1953 dem MGV 1843 Braubach e.V. als staatliche Anerkennung die von Ihm neu gestiftete Zelterplakette.

Nachfolger von Chorleiter Josef Heuser wurde Peter Klein, damals Kamp-Bornhofen, ebenfalls Schüler von Johannes Starke.Er leitete den MGV bis 1965, also die stattliche Zeit von 14 Jahren. Seit 1965 war Kurt Heinz Schiele aus Niederbieber bei Neuwied künstlerischer Leiter des Chores.

Georg Paul wurde 1956 als Vorsitzender abgelöst und zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Nachfolger wurde Ernst Hinterwäller. Seit 1960 amtierte als 1. Vorsitzender Karl Spengler.

Aus der großen Zahl der Veranstaltungen des MGV 1843 ragen besonders die Konzerte hervor. Mindestens einmal im Jahr tritt der MGV, der zu seinen Veranstaltungen auch namhafte Solisten als Mitwirkende verpflichten konnte, vor seine zahlreichen Zuhörer. Mit großem finanziellen Erfolg konnten Wohltätigskeitskonzerte veranstaltet werden. Einige Mal war der Chor über die Sender des Südwestfunks zu hören. Kritiksingen, vom Sängerkreis Rhein-Lahn veranstaltet, ergaben jeweils hervorragend beurteilte Leistungen.

Was wäre ein Chor ohne Verbindungen mit anderen Gesangvereinen! Eine große Anzahl Sängerfeste in der näheren Umgebung hat der MGV 1843 besucht. Sängerfreundschaften konnten auf zahlreichen Sängerfarten geschlossen werden. So war der MGV u. a. zu Gast in Vockenhausen, Remscheid, Waldmichelbach/Odenwald, Rothenburg o. d. Tauber, Rastatt, Klingenberg/Main, Trillfingen und Wolfach im Schwarzwald. Besonders mit dem MGV Trillfingen hat sich eine Verbundenheit angebahnt, die in mehrfachen gegenseitigen Besuchen ihren Ausdruck fand.

Als Bundespräsident Prof. Theodor Heuss nach dem Krieg wiederum die Zelterplakette stiftete, gehörte der Männergesangverein 1843 zu den ersten Vereinen des Mittelrheins, dem die hohe staatliche Auszeichnung 1957 verliehen wurde.

Zum Jubiläum "125 Jahre Männergesangverein Braubach 1843 e.V." bekam der MGV am 08.06. 1968 von der Stadt Braubach die Heinrich-Schlusnus-Medallie in Silber verliehen. Diese Medallie wurde bis heute erst dreimal verliehen.

Als Pflege der Gemeinschaft trug auch in einer Zeit, in der viele Vereine über mangelndes Interesse klagen, ihre Früchte. Als sich 1996 der Vorstand zum Ankauf eines Konzertflügels entschloß, konnte der größte Teil der Anschaffungskosten aus Mitgliedernspenden gedeckt werden.

Seit 1889 war das Hotel Rheinberg Vereinslokal des MGV1843. Ende des Jahres 1972 wechselte der Verein zum Hotel Rheintal, dem Geburtshaus des Kammersängers Heinrich Schlusnus. Dort finden auch heute noch die Chorproben und ein großer Teil der geselligen Veranstaltungen statt.

In der Dirigentenfrage waren die Jahre nach dem 125jährigen Jubiläum zunächst ebenfalls von Bewegung und Wechsel geprägt. Nach dem plötzlichen Unfalltod des beliebten und tüchtigen Chorleiters Kurt Heinz Schiele ging der Dirigentenstab Anfang des Jahres 1971 zunächst an Klaus Weber aus Koblenz. Bereits 1973  übernahm Franz Rudolf Stein aus Fachbach die musikalische Leitung des Chores.

Unter der Leitung des neuen Dirigenten, damals erst 25jährig, führte der Chor seine bisherige Aktivitäten weiter, beteiligte sich aber zusätzlich auch am Leistungssingen des Sängerbundes Rheinland-Pfalz. Über die Stufen des Kreisleistungssingen 1975 in Dachsenhausen und des Regionalleistungssingen 1977 in Bad Marienberg qualifizierte  sich der Chor für das Bundesleistungssingen. Am 21. Oktober 1978 ersang  sich der MGV Braubach 1843 den Titel "Meisterchor des Sängerbundes Rheinland-Pfalz", den er vier Jahre tragen durfte. Mit der hervorragenden Gesamtnote von 1,29 und der besten Tagesnote im Stundenchorsingen, bei dem innerhalb einer Stunde der Satz "Die Lust am Singen" von Rudolf Desch zu erarbeiten war, stellte diese Ereignis sicherlich einer der Höhepunkte im 150jährigen Vereinsleben dar. 66 Sänger waren in Siershahn mit dabei, und da die gemeldete Zahl von 60 nicht überschritten werden durfte, wechselte man einige Sänger bei den verschiedenen Abschnitten dieser Leistungsprüfung aus.

Im Zusammenhang mit diesem Gipfelpunkt des Chores, was seine musikalische Leistungsfähigkeit betrifft, nahm die Aktivität der Chorveranstaltungen derart zu, daß man von dem seit einigen Jahren fest eingebürgerten Konzertraum, nämlich der Barbarakirche, Abschied nehmen mußte. Man zog für die jährlichen Konzerte in die Turnhalle der Markusschule um, die zwar vom Ambiente nicht mit der historisch-stilvollen Barbarakirche zu vergleichen ist, aber den fünhundert bis sechshundert Besuchern Platz bieten konnte, die zu den Konzerten des Chores strömten.

Besondere Erwähnung bedürfen dabei zwei Konzerte gemeinsam mit anderen Chören des Chorleiters Franz Rudolf Stein im wunderschönen Kurtheater Bad Ems 1981 und 1988, ein Konzert in der Matthiaskirche Budapest anläßlich einer Ungarnreise des Chores im Jahre 1990 sowie ein Konzert mit dem populären Sänger Ivan Reboff 1991 in der ev. Markuskirche Braubach.

Im Jahre 1977 löste Werner Wagner den bisherigen Vorsitzenden Karl Spengler in seinem Amt ab und lenkt in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit Vorstand und Chorleiter nun schon 17 Jahre erfolgreich die Geschicke des MGV Braubach 1843.

 

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Diese Chronik wurde in der Festzeitschrift zu "150 Jahre MGV Braubach 1843 e.V." von Dr. Wilhelm Avenarius und Franz Rudolf Stein unter Verwendung von Ernst Hinterwäller und Dr. Hellmuth Gensicke erstellt.

 

1973

Wechsel in ein neues Vereinslokal.

In der Jahreshauptversammlung 1973 wurde als neues Vereinslokal das „Hotel Rheintal“ in geheimer Wahl mit 72 Ja- und 3 Neinstimmen bei einer Enthaltung gewählt. Nach über 80 Jahren trennte man sich vom bisherigen Vereinslokal „Hotel Rheinberg“.Bedingt dadurch kam es teilweise zum erheblichen Rückgang des Probebesuchs.

In der Vorstandssitzung am 12. Mai 1773 wurde zum Anlass des 130 jährigem Bestehen vom MGV Braubach beschlossen, ein Sommerfest in den Rheinanlagen zu gestalten.Die Bewirtung wurde von den Mitgliedern und dessen Partnern übernommen. Es wurde ein voller Erfolg und war jedes Jahr bis 2006 ein fester Bestandsteil im Vereinsleben des MGV.

Ab 2007 verlegte der MGV das Sommerfest auf den Marktplatz und die dort befindliche Gastronomie übernahm die Bewirtung.

 

1977

Werner Wagner wird 1.Vorsitzender und Karl Sengler zum Ehrenvorsitzenden des MGV 1843 ernannt.

 

1978

Der Männergesangverein Braubach 1843 e.V. ist Meisterchor.

„Ein Chor mit sehr kultivierter Interpretationsfähigkeit“. So das Urteil von Bundeschormeister Rudolf Desch zu den chorischen Leistungen des MGV 1843 beim 6. Meisterchorsingen des Sängerbundes Rheinland-Pfalz in Siershahn. Der MGV wurde also mit seinem Dirigenten Franz Rudolf Stein und einer bravourösen Leistung auf Anhieb Meisterchor.

Nicht jeder Sänger hatte an diesen Erfolg geglaubt. „Es wird nicht so einfach sein neben noch zehn anderen und namhaften Chören zu bestehen“ waren die Kommentare mancher Sänger.

Sehr gut, 1,29 nach Punkten, war das Gesamtergebnis, wobei der MGV beim Stundenchorsingen das beste Ergebnis aller Chöre ereichte.

Der Männergesangverein Braubach1843 e.V. darf nun den Titel „Meisterchor“ für vier Jahre tragen.

Die Sängern und ihr Chorleiter wurden festlich im Vereinslokal Hotel Rheintal empfangen. Chorleiter Franz Rudolf Stein bedankte sich bei seinen Sängern für die Mitarbeit, und stellte fest, das der Titel „Meisterchor“ auch eine besondere Verpflichtung darstelle.

„Überall wo wir auftreten, wird man von uns jetzt meisterliche Leistungen erwarten“, so Franz Rudolf Stein zu seinen Sängern.

 

1979

Seit 50 Jahren ist Heinrich Kapitain Hauptkassierer vom Männergesangverein 1843 e.V. Für seine Aktivitäten im MGV wurde Heinrich Kapitain zum Ehrenmitglied ernannt.

Am Freitag, dem 01.Juni 1979, verstarb im Alter von 72 Jahren der Ehrenvorsitzende des Männergesangverein Braubach 1843 e.V., Karl Spengler.

Ab 1960 trug er die Verantwortung als 1. Vorsitzender. 17 Jahre lang hat er ununterbrochen mit den Chorleitern Peter Klein, Kurt-Heinz Stehle, Klaus Weber und Franz Rudolf Stein den MGV zu beachtlichen Leistungen geführt.

Der Stadtrat von Braubach hatte beschlossen Karl Spengler in Würdigung seiner Verdienste um das kulturelle Leben der Stadt mit der Heinrich-Schlusnus-Medaille auszuzeichnen. Infolge seiner Krankheit konnte die feierliche Überreichung der Auszeichnung jedoch nicht mehr stattfinden.

 

1982

52 Jahre war Ehrenmitglied Heinrich Kapitain Kassierer des MGV 1843 Braubach. Aus Altersgründen stellte er bei der JHV sein Amt zur Verfügung. Sein Nachfolger wurde Karl Heinz Fickinger.

Mit großem Erfolg wurde 1981 am Kreisleistungssingen in Miehlen teilgenommen. Dadurch war der MGV  berechtigt in diesem Jahr am Regionalsingen in Betzdorf teilzunehmen, wollte er doch den Titel des Meisterchores des Sängerbundes Rheinland-Pfalz erfolgreich verteidigen. Auch diese Hürde wurde mit der Note „sehr gut“ genommen.

 

1983

Der MGV 1843 Braubach e.V. feiert sein 140 jähriges Bestehen im Rahmen des Sommernachtsfest vom 8.-10. Juli 1983.
Chöre aus Höhr-Grenzhausen, KO-Horchheim, Lahnstein und Braubach gestalteten den Festkommers. An den drei Festtagen sind Chöre  aus dem Taunus, vom Westerwald, aus dem Siegerland, von der Nahe sowie aus der Umgebung aufgetreten.
Der MGV hatte zu dieser Zeit die stattliche Zahl von 60 Sängern.

Höhepunkte in diesem Jahr waren die 140 Jahre MGV 1843 Braubach e.V. vom 8.-10. Juli,
wo 25 Vereine und Chöre vertreten waren, das Kreischorkonzert in Lahnstein, die Sängerfahrt nach Schenkenzell/Schwarzwald und das eigene Chorkonzert am 30. Oktober.

 

1991

Beim Kritik- und Leistungssingen, ausgerichtet vom Sängerkreis Rhein-Lahn  am 14.April 1991, erreichte der MGV in allen Bereichen die Note „Sehr Gut“.