Braubach-Trillfingen Teil 2

Lebendige Sängerfreundschaft hält schon 60 Jahre!

Braubacher feiern seltenes Jubiläum in Trillfingen.

 

Als vor 5 Jahren die Sänger aus Trillfingen das 55-Jahre-Jubiläum ihrer Freundschaft mit dem MGV Braubach 1843 in dem schönen Rheinstädtchen feierten,- ein zu diesem Anlass gepflanzter Freundschaftsbaum gedeiht bis heute prächtig in den Braubacher Rheinanlagen-, da stand schon fest, dass man im Jahre 2015 zur Feier des 60-Jahre-Jubiläums die Braubacher Sangesfreunde in Trillfingen erwartete.

 Am 3. Septemberwochenende war es soweit. 17 Sänger und 12 Ehepartner bzw. MGV-Freunde starteten am frühen Freitagmorgen in einem modernen Ruckes-Bus, der gerne mehr Fahrgäste aufgenommen hätte, zur Fahrt in den Schwarzwald. Zwar war der viel zitierte Koffer eines gewissen Sängers an Bord, aber leider ging vom „Panikorchester“ nur Klaus Thorischs Akkordeon mit auf die Reise. Krankheit und Tod hatten leider verhindert, dass Teufelsgeige und Trommel der Brüder Willi und Helmut Clos mit dabei sein konnten. Nach einem kräftigenden und musikalisch garnierten Frühstück unterwegs, wurde die Fahrt in den Schwarzwald fortgesetzt, unterbrochen durch eine zweistündige Pause für einen Bummel durch Freudenstadt.

 Am Nachmittag schließlich war das Vereinsheim in Trillfingen erreicht, wobei der lange Bus mit den engen Straßen und Kurven des Ortes zu kämpfen hatte, nicht ganz folgenlos. Die Trillfinger Freunde erwarteten recht zahlreich die Gäste vom Rhein, und es bedurfte keinerlei „Aufwärmphase“ für ein von Anfang an fröhliches, warmherziges, vertautes Miteinander beim Stehempfang mit Sekt und Saft, Bier und Butterbrezeln. Dem folgte die Quartiervergabe. Etliche wohnten privat, die Mehrzahl aber war im Nachbarort Bad Imnau im Hotel Eyach-Perle ebenfalls hervorragend untergebracht.

 Ein bestens funktionierender Fahrdienst der Trillfinger sorgte dafür, dass sich später alle zu einem fröhlichen Kameradschaftsabend mit zünftiger „Hausmacher Bauernvesper“ im Vereinsheim einfanden. Die gastgebenden Sänger erfreuten unter Leitung ihres Ehrendirigenten Karl Müller die Anwesenden mit zwei originellen Willkommensliedern. Dann folgten die beiden Vorsitzenden Günter Stehle und Wolfgang Rapp mit ihrer lockeren Begrüßungsansprache. Stehle betonte die absolute Seltenheit einer solch langjährigen Beziehung in der deutschen Chorlandschaft. Auch der Ortsvorsteher Hermann Heim (Trillfingen gehört zu Haigerloch) ließ es sich nicht nehmen, in seinem Grußwort die 60jährige Sängerfreundschaft zu würdigen. Und da war es wieder,- das Gefühl fröhlicher Harmonie und herzlicher Verbundenheit unter allen Anwesenden! Günter Stehle gab in seiner Ansprache die eine oder andere Anekdote aus der gemeinsamen Vergangenheit zum Besten und überreichte dem Braubacher Vorsitzenden Herbert Freisberg als Gastgeschenk eine große Wanduhr, die höchst orginell um das Freundschaftslogo herum die Stundenziffern durch die Freundschaftsjahre in 5er-Schritten ersetzt, die 60 Minutenschritte symbolisieren 60 Jahre Freundschaft, eine tolle Idee. Stehle wünschte der nun schon so langen Verbindung eine dauerhafte Lebendigkeit. Zwei Braubacher, die schon lange Mitglieder im MGV Eintracht Trillfingen sind, Gretel und Karl Heinz Fickinger, erfuhren zu ihrer Überraschung als frisch gebackene 80jährige eine besondere Ehrung mit einer Urkunde.

 Danach ergriff der 1. Vorsitzende des MGV Braubach, Herbert Freisberg, das Wort. Er dankte für die Einladung nach Trillfingen und die herzliche Aufnahme. Diesmal seien die Braubacher wohl zum zehnten Male offiziell in Trillfingen, hinzu kämen jedoch unzählige Begegnungen in privatem Rahmen. 338 Jahre brächten beide Vereine mittlerweile zusammen, davon 60 bereichernde gemeinsame Freundschaftsjahre. Ins Leben gerufen worden war diese Freundschaft 1955, in einer Zeit des Aufbruchs, des Optimismus, der starken Männerchöre mit vielen jungen Stimmen, als der Chorgesang bei der Freizeitgestaltung nur wenig Konkurrenz zu fürchten hatte. Vieles habe sich seitdem grundlegend geändert, aber die Freundschaft zwischen Braubach und Trillfingen habe sich erhalten, ebenso wie die Freude am Singen in Gemeinschaft. Das gelte es zu pflegen. Er rief auf zu einem Augenblick des Gedenkens all jener in Trillfingen und Braubach, die dieses Jubiläum nicht mehr erleben durften. Von Ehrenmitglied Karl Heinz Jacoby, der diese Freundschaft von Beginn an mitgestaltet hat, übermittelte er Grüße und dessen großes Bedauern, das Jubiläum aus gesundheitlichen Gründen nicht mitfeiern zu können. Außer Anekdoten aus den „alten“ Zeiten brachte Freisberg ein mit dem Vereinsnamen bedrucktes Holzbrett zurück, das KH Jacoby seinerzeit von einem Umzug in Trillfingen für seine Kellerbar heimlich hatte mitgehen lassen. Die „späte Reue“ sorgte für große Heiterkeit.

Freisberg übergab den Trillfingern als Geschenk 60 Flaschen köstlichen Rebensaftes aus dem heimischen Bopparder Hamm, eine für jedes Freundschaftsjahr. Er meinte, es sei an der Zeit „Nachschub“ zu liefern für die längst weggetrunkenen 100 l Rheinwein, die 1980 überreicht worden waren, als man zusammen mit 120 Braubachern in Trillfingen die 25jährige Freundschaft feierte.

 In der Folge weckte eine Bildschau, deren Kommentierung den Betrachtern überlassen blieb, heitere Erinnerungen an Ereignisse aus vergangenen Jahren. Fröhliche Musikanten aus beiden Chören heizten danach die gute Stimmung weiter an: Karl Heinz Richter (Gitarre), Walter Stehle (Posaune) und Klaus Thorisch (Akkordeon) zeigten sich in Bestform.

Mitternacht war längst vorüber, als sich der Saal endlich leerte.

 Der folgende Samstag, die Trillfinger hatten das traditionelle „Kirbefest“ auf diesen Tag vorverlegt, war wiederum erlebnisreich. Auf dem Programm stand u.a. ein Besuch des alten, schönen Universitätsstädtchens Tübingen. Den Beginn machte eine höchst informative Stadtführung, bei der man kaum so schnell zuhören konnte, wie die nette Führerin ihre Informationen von sich gab. Am Ende brachte man ihr ein Ständchen und ließ den „Rheinland-Pfälzischen Sängergruß“ über den Marktplatz erschallen. Bis zur „Stocherkahnfahrt“ war noch Zeit zum Flanieren durch belebte Gassen und Plätze. Unzählige Menschen besuchten hier nämlich den “23. Umbrisch-provenzalischen Markt“, der in tollem Ambiente italienische und französische Köstlichkeiten vielfältig anbot.

 Die Stocherkahnfahrt war nach zunächst ziemlich wackeligem Besteigen der beiden flachen Kähne ein schönes Erlebnis: Ruhiges Dahingleiten auf einem Neckar-Seitenarm zwischen sattem Grün auf der einen und einer tollen Altstadt-Silhouette auf der anderen Seite, wobei eine lange Stange in den Händen mitteilungsfreudiger Stocherer (ein Kahn hatte mit der hübschen Marie sogar eine Stocherin), für den Vortrieb sorgte. Kein Wunder, dass man sich zu einem Lied über dem stillen Wasser animiert fühlte. Der Ausstieg nach einer Stunde klappte schon etwas besser als der Einstieg, und im Anschluss daran blieb bis zur Rückfahrt mit dem Bus noch einmal Zeit zum Eintauchen in die Altstadt- und Marktatmosphäre.

 Abends wartete am vorgezogenen Kirbe-Festabend, zu dem auch die Bevölkerung eingeladen war, im vollbesetzten Vereinsheim auf alle ein kurzweiliges, fröhliches Zusammensein bei kräftiger, wohlschmeckender Kost aus der Sängerküche und geöffnetem Weinbrunnen. Der gastgebende Verein eröffnete den Liederreigen unter Leitung seiner Dirigentin Gabi Richter. Es erklang Chormusik vom Feinsten in buntem Wechsel der drei anwesenden Männerchöre: Männergesangverein Eintracht Trillfingen 1889 (18 Sänger), Männergesangverein Nordstetten (12 Sänger), beide unter Gabi Richters Leitung, und der MGV Braubach 1843 (17 Sänger) unter Jürgen Salzigs Dirigat. Alle Chöre wussten trotz ihrer relativ geringen Sängerzahlen mit unterschiedlichstem Liedgut ein dankbares, aufmerksames Publikum zu beeindrucken. Für eine Überraschung sorgte zwischenzeitlich der erheiternde Auftritt des Präsidenten des Landeschorverbandes Zollernalb, Michael Ashcroft aus Haigerloch, einem wahren „Temperamentsbolzen“, der sich nicht nur von den Gesangsdarbietungen, sondern vor allem von der langjährigen Sängerfreundschaft begeistert zeigte. Spontan sprang er auf die Bühne und sang mit bei einigen der nachfolgenden Lieder, die von allen Chören gemeinsam vorgetragen und abwechselnd von Gabi Richter und Jürgen Salzig dirigiert wurden, wobei die Trillfinger Chorleiterin zwei Braubacher Vorträge bravourös auf dem Klavier begleitete. Schließlich besangen die Trillfinger Sängerfrauen, von einer Gitarre begleitet, zur großen Überraschung ihrer Männer und des übrigen Publikums humorvoll die menschliche Schwäche, sich, statt etwas zu tun, mit dem Wissen zufrieden zu geben, dass man ja könnte, wenn man wollte, aber..… Der Refrain brachte zum Schmunzeln: „Aber mir roicht’s, wenn i woiß, dass i kennd, wenn i wedd, und i däd, was i kennd, wenn des wär, was i wedd! Aber i will ned!“

Leib und Seele bekamen an diesem Abend reichlich Nahrung, und der Wohlfühlfaktor kletterte auf Höchststufe. Dazu trugen auch wieder die vorerwähnten Musikanten bei, zu deren Klängen sich sogar eine lustige Polonaise durch den Saal formierte. Der Tag endete weit nach Mitternacht.

 Am Sonntag zu guter Letzt traf man sich nach dem Frühstück und freier gemütlicher Vormittagsgestaltung im nahen Bad Imnau zum gemeinsamen ausgedehnten Abschlussessen im Hotel Eyachperle. Dort genoss man sowohl das frohe Miteinander als auch die vorzügliche Küche des Hauses. Der Präsident des Landeschorverbandes, Michael Ashcroft gab sich samt Gemahlin erneut die Ehre, dabei zu sein. Er überreichte für jeden Braubacher Sänger und ihren Dirigenten die Verbandsnadel und eine Verbandschronik als Anerkennung für die 60jährige Sängerfreundschaft. Als „Nachtisch“ präsentierten die Trillfinger noch einen Clou. Sie überraschten die Braubacher Freunde mit einer schön verpackten, original schwäbischen Wegzehrung: 1 Dösle Bauernwurst, 1 Scheible Speck und 1 Fläschle Zwickelbier. Auf letzterem prangt als Etikett das Freundschaftslogo; das darauf angegebene Mindesthaltbarkeitsdatum 2020 ist sicher ein Hinweis auf die Zukunft der Freundschaft . Zwei gemeinsam gesungene Lieder markierten den offiziellen Abschluss dreier wunderschöner, dankbar genossener Freundschaftstage.

 Zur weiteren Kontaktpflege wurde angedacht, sich im nächsten Jahr bei einem Tagesausflug auf halbem Weg in der Pfalz zu begegnen für ein paar schöne gemeinsame Stunden.

 Das Abschiednehmen am Bus wollte kein Ende nehmen. Kein Wunder bei dem schönen, herzlichen, vertrauten und bereichernden Zusammensein während der drei Tage. Mit Dankbarkeit und froh, dabei gewesen zu sein, aber auch ein bisschen wehmütig traten die Braubacher die Rückreise in die Heimat an, die am späten Abend wohlbehalten erreicht wurde.

 Es bleibt zu wünschen, dass es in der Gegenwart und auch in Zukunft in beiden Vereinen immer wieder Menschen gibt, die das Banner dieser Freundschaft hochhalten und weitertragen.

Gerhard Julius

Anreise nach Trillfingen 

 

Bauerntheater vom MGV Trillfingen

 

 

 

Neues aus Trillfingen …

 

 Überraschung zum Abschluß! 

 

Für die Theaterspieler des Bauerntheater Trillfingen gab es noch eine nette Überraschung zum Abschluß als die Autorin des Stückes, Jasmin Leuthe mit ihrem Mann aus Öschingen, die letzte Vorstellung besuchte. Und die Überraschung war um so größer als der 1. Vorsitzende Günter Stehle erst nach der Vorstellung das Geheimniss lüftete. So war es ein unvergesslicher Abschluß nach 5 tollen Aufführungen. 

 

Zahlreich startete die Sängerfamilie des MGV Trillfingen bei herrlichem Sonnenschein ihre Winterwanderung zum Fischerhaus in Stetten.