Freitag, den 06. Juni 2014 um 11:38 Uhr

Porträt der Chorgemeinschaft 1843/1883 Braubach

Chorgemeinschaft 1843/1883 Braubach liebt das Singen und die Geselligkeit

Am 08.Mai 2014 war Frau Ulrike Bletzer Freie Mitarbeiterin Rhein-Lahn Zeitung bei uns, um ein Porträt der Chorgemeinschaft Braubach für die Rhein-Lahn Zeitung zu erstellen.

In der Ausgabe der Rhein-Lahn Zeitung vom 05. Juni 2014 war folgender Bericht:

Chorgemeinschaft Braubach liebt das Singen

und die Geselligkeit

Porträt Vor zwölf Jahren haben sich der Männergesangverein Braubach 1843 und der Quartett-Verein Braubach/Rhein 1883 zusammengeschlossen

 

Braubach. „Wir sind schon öfter gefragt worden, ob wir nicht einen gemischten Chor gründen wollen. Dabei sind wir ja schon einer: Ein Teil von uns kann singen und der andere nicht.“ Nein, dieser Spruch spiegelt mitnichten das musikalische Niveau der Chorgemeinschaft Braubach 1843/1883 wider, ganz im Gegenteil. Aber er beweist, dass die 32-köpfige Truppe zusätzlich zu ihrem sängerischen Können auch noch mit reichlich Humor und feiner Selbstironie ausgestattet ist.

Wobei die Frage nach der Umwandlung in einen gemischten Chor dennoch einen ernsten Hintergrund hat: Die Chorgemeinschaft Braubach gäbe es nämlich gar nicht, wäre da nicht die unaufhaltsam schwindende Sängerzahl gewesen – ein Problem, das bekanntlich vielen Chören zu schaffen macht. Vor allem der Quartett-Verein Braubach/Rhein 1883, die eine Säule der Chorgemeinschaft, war davon betroffen, aber auch den Männergesangverein Braubach 1843 als zweite Stütze plagten bereits seit Jahren Nachwuchssorgen. „Und wenn man irgendwann die Stimmen nicht mehr gleichwertig besetzen kann, leidet unweigerlich der Chorklang darunter“, sagt Herbert Freisberg, der Erste Vorsitzende des MGV. Bereut hat den Zusammenschluss im Jahr 2002 jedenfalls noch niemand, auch wenn so eine Fusion natürlich kein leichtes Unterfangen ist – gilt es doch, unterschiedliche Gewohnheiten und Erwartungen unter einen Hut zu bringen. Da ist auf der einen Seite der MGV, einer der ältesten und traditionsreichsten Männerchöre im Kreis-Chorverband Rhein-Lahn. Konzerte in Ungarn, Österreich, Frankreich, der Tschechischen Republik und vielen Regionen Deutschlands zählen zu den prägenden Stationen und Höhepunkten seiner 171­-jährigen Geschichte. Und da ist zum anderen der Quartett-Verein, der sich von jeher der Musik Franz Schuberts besonders verbunden fühlte ­– nicht zuletzt durch den berühmten Braubacher Kammersänger Heinrich Schlusnus, der etliche Schubert-Konzerte mit dem Chor veranstaltete.

Kurzum: Es sind zwei sehr traditionsreiche Chöre, die sich da zusammengetan haben. Stolz zeigt Herbert Freisberg ein uraltes, in gestochen scharfer, aber für heutige Leser kaum zu entziffernder Schrift: die Gründungsurkunde des Männergesangvereins aus dem Jahr 1843. Die Fusion vor zwölf Jahren sei überraschend reibungslos über die Bühne gegangen, erzählt Jürgen Wolf, der Vorsitzende des Quartett-Vereins: „Klar war der Quartett-Verein früher mal der Chor, in dem die Braubacher Geschäftsleute gesungen haben, während der Männergesangverein als der Chor der Beamten und Angestellten galt. Das führt auch heute noch ab und an zu ein paar kleinen Sticheleien, die aber immer harmlos und nett gemeint sind.“

Trotzdem haben sich beide Vereine ihre Selbständigkeit mit eigener Satzung, eigener Kasse und, auch nicht ganz unwichtig, eigenem Stammtisch bewahrt. „Es wäre sehr schwierig gewesen, zwei Vereine mit unterschiedlichen finanziellen Strukturen zusammenzuführen“, erklärt Herbert Freisberg. „Und der eine oder andere wäre vermutlich auch nicht mit in den neuen Verein gegangen.“ 24 MGV-ler und acht Quartettler zählt die Chorgemeinschaft, die sich jeden Donnerstagabend ab 20 Uhr zum Proben trifft – dort, wo normalerweise der Braubacher Stadtrat über Haushaltsplänen, Bauangelegenheiten und Beschlussfassungen schwitzt: „Die Stadtspitze hat uns netterweise den Rathaussaal zur Verfügung gestellt“, freuen sich die Sänger.

Ein Trinklied aus der Feder von Franz Schubert, dessen Text Chormitglied Gerhard Julius des Lokalkolorits wegen auf Braubach umgemünzt hat, steht heute als Erstes auf dem Proben-Programm, gefolgt von Mathieu Neumanns „Unter der Linde“ und dem von Otto Groll zusammengestellten Potpourri „Melodien zum Verlieben“. „Wenn ‚Abendwinde‘ im Liedtext steht, könnt ihr doch nicht ‚Abendwolken‘ singen“, rügt Chorleiter Jürgen Salzig, dem kein noch so kleiner Fehler und keine noch so geringe Abweichung entgeht. Impulsiv, aber im Prinzip sehr verträglich und umgänglich sei ihr Dirigent, verraten die Sänger: „Auch wenn er manchmal vor lauter Temperament ganz schön auf die Klaviertasten haut. Wir haben deshalb zum Spaß schon mal eine Decke übers Klavier gehängt.“ Und Jürgen Salzig, der seit rund zwei Jahren „ganz nebenbei“ auch Erster Vorsitzender des Kreis-Chorverbandes Rhein-Lahn ist, lobt seine Eleven: „Das Ergebnis der Proben kann sich sehen und hören lassen. Auf unsere Auftritte bekommen wir jedenfalls immer positive Resonanz.“

Jedes Jahr mehrere eigene Sängerfeste, dazu zwei bis drei Auftritte bei musikalischen Veranstaltungen anderer Chöre in der näheren Umgebung und bei einem befreundeten Chor im baden-württembergischen Trillfingen, Ständchen bei runden Geburtstagen und ähnlichen Anlässen, Mitwirkung beim Volkstrauertag, ein eigener Festwagen beim Braubacher Winzerfest, und, und, und… Die Zahl der Aktivitäten, die die Chorgemeinschaft Braubach entfaltet, kann sich sehen lassen. Was allerdings nicht bedeutet, dass alles eitel Sonnenschein sei. Denn die derzeit 32 Mitglieder halten dem Chor zwar eisern die Treue, Sänger Willi Clos etwa ist seit sage und schreibe 68 Jahren mit dabei. Was aber fehlt, sind Neuzugänge und jüngere Mitstreiter. Er könne sich daran erinnern, dass der Männergesangverein einmal 100 oder mehr Mitglieder gehabt habe, erzählt einer aus der Runde: „Früher haben die Sänger ihre Söhne mitgebracht. Aber diese Zeiten sind vorbei.“ Klar habe man versucht, neue Mitglieder zu werben, öffentliche Chorproben und Wunschkonzerte veranstaltet und auch Leute direkt angesprochen: „Aber heute will sich keiner mehr regelmäßig binden.“

So liegt der Altersdurchschnitt derzeit bei stattlichen 70 Jahren, der jüngste Sänger ist 48, der älteste 89 Jahre alt. Altbacken ist die Chorgemeinschaft Braubach deshalb noch lange nicht: Ihr Repertoire reicht von geistlicher und klassischer Musik über Opern- und Musicalmelodien bis zu Gospelsongs, sodass also für jeden Geschmack etwas dabei ist. Der Chor singt aber nicht nur engagiert, sondern legt auch großen Wert auf Geselligkeit. „Wir rennen nach den Proben nicht einfach auseinander, als ob eine Granate eingeschlagen hätte, sondern sitzen noch beisammen und lassen das Treffen gemütlich ausklingen“, betont Herbert Freisberg.

 

Zuletzt geändert am: Freitag, den 06. Juni 2014 um 12:05 Uhr

 

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